Mittwoch, 13. Februar 2008

Auslagerung von Unternehmensteilen ins Ausland. Und zurück.

Ein finnischer Handyproduzent ist leider nicht das einzige Unternehmen, welches in den letzten Jahren die Produktion aus dem "Hochlohnland" Deutschland in ein Niedriglohnland in Osteuropa oder anderswohin verlagert hat.

Nach Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes gingen zwischen 2001 und 2006 insgesamt 188.000 Stellen in Deutschland verloren, weil Firmen ganz oder teilweise abgewandert sind. Meist in die neuen EU-Mitgliedsstaaten. Gefolgt von China.

Besonders betroffen sind Arbeitsplätze in der Buchhaltung, in der Produktion und die typischen Call-Center-Jobs.

Die Unternehmen argumentieren häufig damit, dass mit den Arbeitsplätzen im Ausland gleichzeitig auch neue Arbeitsplätze in Deutschland entstünden. (PR-Abteilungen lassen sich schon etwas einfallen. Was allerdings mitunter auch von der Realität überholt wird.)

Im Saldo verbleibt allerdings ein Minus.

Die erwarteten und erlebten Vorteile sind niedrigere Lohnkosten und ein besserer Zugang zu neuen Märkten. Allerdings stellt sich die Frage, wie es dann mit dem Zugang zu bisherigen Märkten bestellt ist.

Dem gegenüber stehen zumindest ein erhöhter Aufwand für Transport und Logistik.

Allerdings: Nach Untersuchungen des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung kommt auf jedes vierte bis sechste Unternehmen, das Jobs ins Ausland verlagert, binnen vier bis sechs Jahren ein Unternehmen, das seine Produktion zumindest in Teilen wieder zurück nach Deutschland holt. Und der Anteil der Unternehmen, die weiterhin eine Auslagerung planen, sinkt.

Unternehmen, die wieder zurückgekommen sind, verweisen dafür auf folgende Gründe:

Bessere Kontrolle über die Qualität ;-)

Große Zurückhaltung der Beschäftigten bei den Lohnforderungen in den letzten Jahren

Gesteigerte Produktivität in den Unternehmen (was allerdings auch den Wegfall von Arbeitsplätzen durch Automatisierung beinhaltet)

Das Know how der Mitarbeiter

Bündelung von Technologie und Know-how im Verbund mit wissenschaftlichen Einrichtungen

Zunehmende Angleichung der Lohnkosten in den östlichen Nachbarländern

Sprachbarrieren und kulturelle Differenzen z.B. bzgl. der Bedeutung von Termintreue

Risiken, die beim Transfer von hochwertiger Technologie entstehen - um es einmal vorsichtig auszudrücken ;-)

Nur hartnäckige Neoliberale verweisen allein auf Reformerfolg als Ursache für Rückkehr – und auf mangelnden Reformeifer, wenn Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlegen. Es kommt irgendwo auch und v.a. auf die Menschen an. Das Bekenntnis der Mitarbeiter zu ihrem Betrieb aber natürlich auch das Bekenntnis der Unternehmer zu ihrem Land ;-)

Als in Deutschland weiterhin bestehende Probleme, die von Investionen abhalten, werden v.a. Bürokratie und schwache Binnennachfrage genannt.

Quellen:

STANDORT DEUTSCHLAND: Rückkehr der Reumütigen
(SPIEGEL ONLINE)

STUDIE: Firmen haben knapp 200.000 Jobs ins Ausland verlagert
(SPIEGEL ONLINE)

Warum Unternehmer nach Deutschland zurückkommen: Reumütige Rückkehr aus dem Osten
(Tagesschau.de)

Beliebige Manipulation mit dem Thema Abwanderung
(NachDenkSeiten)

Kommentare:

Streunende Wölfin hat gesagt…

Hallo lieber Falk,

danke für deinen ausführlichen Bericht zu diesem Thema!

da bleibt zu hoffen, daß die Zahl der Abwanderer weiter sinkt.

Ein bisschen was von einem Teufelskreis hat das. Die standortbedingten Kosten in D. sind enorm -

und zugleich besteht das Problem der schwachen Binnennachfrage...

z.B. kaufen viele Menschen billig im Fernen Osten etc. hergestellte Produkte - anstatt die Produktion im Inland durch Erwerb (z.B. lieber ein etwas teuerer in D. hergestellter Gegenstand, statt vier billigere aus China o.ä.) zu unterstützen.

Sie argumentieren damit, daß alles so teuer geworden ist und sie kein Geld haben .. auf Billigprodukte zurückgreifen müssen.

Aber wenn man sich ehrlich hinterfragt- ließe sich hier das Konsumverhalten sicherlich auch ein bisschen ändern - s.o.

Ebenso sollten sich natürlich die Firmen überlegen, ob sie mit ihrer Abwanderung ins Ausland wirklich etwas Positives erreichen ... siehe dein Artikel.

Liebe Grüße an dich :) :) und *gg* der Mann im Kessel .. ob das wohl so beabsichtigt war? wer weiss :)

die Streunende

Gucky hat gesagt…

Falk, ich befürchte, mit Kommentaren hier wird das nicht allzuviel...
Die Artikel sind interessant, aber
die meisten Leute werden das zwar als eine "Sauerei" zu empfinden, aber DAS wird sie nicht animieren, Kommentare zu schreiben.
Naja, ist ja noch sehr neu hier und vielleicht wird das ja noch mehr...

PsychoBlogger hat gesagt…

@ Wölfin:

Es gibt allerdings auch einen Zusammenhang zwischen schwacher Binnenfrage und geringem Einkommen der Menschen ;-)

@ Gucky:

Es freut mich schon, wenn jemand regelmäßig hier liest ;-)

Streunende Wölfin hat gesagt…

Hi :)

der Zusammenhang besteht mit Sicherheit.

Ich find diesen Themenblog interessant - mach ruhig weiter so - wenn ich was dazu sagen kann, mach ich's gern :) Ist natürlich eine sehr komplexe Thematik und nicht einfach - aber ich find es schon wichtig.

Dir liebe sonnige Grüße :)

die Streunende

Diane hat gesagt…

Man hat sie oder hat sie nicht, schreibt aber nicht darüber :D ... auch nicht über die Konten in Schweiz und Liechtenstein :mrgreen:

Wirklich eigenartig, aber nur bei Richard/Holzmichel geht der Captcha nicht bei Blogger - hier geht er auch im IE! Mr. Gucky muss einen komische iE haben ;-)

Diane hat gesagt…

hooups, ging es jetzt doch nicht?

PsychoBlogger hat gesagt…

@ diane:

"Man hat sie oder hat sie nicht, schreibt aber nicht darüber"

Du meinst Kommentare?

...

Kommentare werden vor einer Veröffentlichung erst von mir überprüft ;-)