Mittwoch, 12. März 2008

Rohöl als Spekulationsobjekt

3 Kommentare

Der Preis für Rohöl ist in den letzten Tagen weiter gestiegen, was natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Preise für Diesel und Benzin an den Tankstellen geblieben ist. Und gerade vor den Osterfeiertagen darf man ohnehin noch einmal mit höheren Spritpreisen rechnen.

TEURES ÖL: Spritpreis nähert sich Rekordhoch
(SPIEGEL ONLINE)

109.30 US-Dollar pro Barrel (Light Sweet Crude Oil Futures, Apr-2008, RTH)! Wer hätte das vor Jahren gedacht, dass das Öl auf solche Rekordhöhen steigen könnte?

Ich habe mal ein bisschen recherchiert und einen Artikel vom 10.04.2005 gefunden, in dem noch von einer "absurden" Prognose einer amerikanischen Bank die Rede war, die zu dieser Zeit einen Preisanstieg bis auf 105 US-Dollar vorausgesagt hatte:

Benzinpreise: Abzocke an der Tankstelle?
(hr-online.de)

Damals lag der Rohölpreis noch bei 38 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Der Liter Superbenzin kostete allerdings auch damals schon 1.20 Euro, was allerdings mit dem hohen Steueranteil zu tun hat. Informationen zur Zusammensetzung des Benzinpreises in Deutschland finden sich hier:

Staatlicher Anteil der Kraftstoffkosten in Deutschland
(AVD)

Allerdings sind es anscheinend v.a. Spekulanten, die den Preis des Rohöls hochtreiben. Aus Angst vor einem immer schwächer werdenden Dollar wird derzeit v.a. in Rohstoffe und Rohstoff bereitstellende Unternehmen investiert. Der Preis für die Feinunze Gold (31,1035 Gramm) liegt gerade mit 978,65 US-Dollar nur wenig unter dem Rekordhoch von 993.25 US-Dollar von Anfang März! Vor einem Jahr waren es noch weniger als 700 US-Dollar.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese Entwicklung wirklich noch lange andauern wird. Jede Hausse hat irgendwann mal ein Ende. Und manchmal auch ein Ende mit Schrecken.

In Börse Online habe ich irgendwann im Herbst einen Beitrag zur Ölpreis-Entwicklung gelesen, der sich auch mit dem fairen Preis für Erdöl vor dem Hintergrund des tatsächlichen Bedarfs für den Rohstoff beschäftigt hat. Leider finde ich den Artikel jetzt nicht mehr - ich glaube aber, mich vage daran erinnern zu können, dass dort von einem fairen Preis bei etwa 70 US-Dollar die Rede war. Der Rest sei Spekulation. - Mit fairem Preis ist jetzt ein angemessener Preis in Bezug auf Angebot und Nachfrage gemeint, nicht, was jeder selbst subjektiv als fair empfinden mag.

Mit charttechnischen Prognosen bin ich in letzter Zeit etwas vorsichtig geworden, allerdings rechne ich damit, dass die jetzt investierten Spekulanten vielleicht kurzfristig noch einige Gewinne mit entsprechenden Anlagen einfahren können, mittelfristig allerdings keinen Erfolg mehr damit haben werden. Speziell bei Gold sehe ich keinen Spielraum mehr nach oben hin, eher ein gewisses Einbruchpotential bis auf wenigstens 900 US-Dollar.


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Mittwoch, 5. März 2008

Die Aktienperformance von Rauchern, Psychologen und Frauen

17 Kommentare

Drei Studien...

1. Studie:

Wilhelm Entenmann hat mich heute auf einen Artikel wissenschaftlichen Ursprungs verwiesen, den ich gleich mal zur Grundlage für einen Beitrag machen möchte:

Hirnforschung: Wie Raucher Aktien kaufen
(wissenschaft.de)

Als Grundlage dieser Studie wurde ein Investmentspiel durchgeführt, bei dem Raucher und Nichtraucher einerseits hinsichtlich ihres Verhaltens bei der Berücksichtigung von Informationen zum Marktgeschehen, andererseits hinsichtlich hirnfunktionaler Vorgänge, die parallel dazu ablaufen und mittels funktioneller Magnetresonanztomographie erfasst wurden, verglichen wurden.

Wesentliche Ergebnisse dieser Studie sind: Raucher gehen in geringerem Maße auf Marktinformationen ein, die bei Nichtrauchern in stärkerem Maße zu einer Korrektur des bisherigen Anlageverhaltens führen. Von den Untersuchern wird dies so interpretiert, dass Raucher häufig handlungsrelevante Informationen verdrängen – ebenso wie sie die mögliche Verhaltensalternative des Aufhörens mit dem Rauchen "verdrängen".

Hier die Quelle zum englischsprachigen Originalartikel (der vermutlich allerdings nur dann aufzurufen geht, wenn man sich im Netz einer Universität befindet, über deren Bibliothek man einen Zugriff auf den Volltext dieser Zeitschrift hat):

Chiu, Lohrenz & Montague (2008). Smokers' brains compute, but ignore, a fictive error signal in a sequential investment task. Nature Neuroscience.

Anzumerken ist, dass es sich bei dieser Studie um eine Simulation und nicht um eine reale Situation an der Börse handelt. Leider ist auch die Stichprobengröße mit jeweils 31 Rauchern und Rauchern sehr klein, was allerdings in der aufwendigen Untersuchung mittels Magnetresonanztomographie begründet liegt.

Neuropsychologische Forschung liegt derzeit im Trend. Was dann allerdings Abstriche in anderen Bereichen nach sich zieht.

Der Berg kreisste und gebar eine Maus.

... es stellt sich die Frage, ob Raucher auch bei einer Teilnahme am realen Börsengeschehen wichtige Informationen verdrängen und welche Auswirkungen dies auf die Performance von Börsendepots von Rauchern vs. Nichtrauchern hat.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf einige ältere Studien verweisen, die sich mit der simulierten oder auch realen Börsenperformance unterschiedlicher Personengruppen beschäftigt haben.

...

2. Studie:

Anfang 2006 erschien eine Studie von Forschern der Bonn und Heidelberg, die gemeinsam mit Unternehmensberatern von McKinsey und Ökonomen der Bank of England eine Art Börsenspiel mit insgesamt 6500 Teilnehmern durchgeführt hatten. Die Teilnehmer setzten sich dabei aus Psychologen, Physikern, Mathematikern und Ökonomen zusammen. Ich glaube, ich muss hier nicht extra erwähnen, welche der vier Gruppen dreifach höhere Gewinne einfahren konnte *fg*

Psychologen spekulieren besser als Physiker
(WELT ONLINE)

Demzufolge ist man mit Intuition allerdings erfolgreicher als mit reiner rationaler Überlegung.

Anzumerken ist, dass es sich bei dieser Studie um ein Börsenspiel handelte, wobei ein kurzfristiger und unter Simulationsbedingungen erreichter Anlageerfolg untersucht wurde. Eine solche Simulation muss nicht unbedingt dieselben Ergebnisse liefern wie eine Analyse unter realen Feldbedingungen. Des weiteren ist auch eine ganze Reihe von Anlegern eher langfristig orientiert... bis hin zur Betrachtung von Aktien als Altersvorsorge.

...

3. Studie:

Zu diesem Zweck möchte ich auf einen Artikel verweisen, der Studien mehrerer Direktbanken zusammenfasst, die sich mit der tatsächlich Performance von Anlagedepots über einen längeren Zeitraum bis zum Jahr 2006 befasst haben. Wobei es um Unterschiede zwischen Männern und Frauen geht:

Frauen investieren anders: Die Aktie ist männlich
(sueddeutsche.de)

Frauen beschäftigen sich demnach im Vergleich zu Männern noch relativ wenig mit der Börse – wenn sie es jedoch tun, dann sind sie signifikant erfolgreicher!

Im Verhalten zeigen sich dabei folgende Unterschiede:

- Frauen legen ihr Geld häufiger in Fonds und Anleihen und weniger in Aktien und Optionsscheinen an.

- Frauen legen ihr Geld stärker diversifiziert an – setzen also nicht alles auf eine Karte.

- Frauen traden auch nicht hin und her, sondern halten Wertpapiere länger als Männer.

Die Depots von Frauen sind infolgedessen wertstabiler und weisen geringere Schwankungen auf. Männer haben im Vergleich zu Frauen entweder eine sehr gute oder eine sehr schlechte Performance.

...

Fassen wir die drei Studien kurz zusammen:

Der absolut erfolgreiche Anleger ist demzufolge Psychologe, weiblich und Nichtraucher.

Vorausgesetzt, es gibt nicht noch irgendwelche sonstigen Einflüsse, die im Rahmen der zitierten Studien nicht kontrolliert worden sind.

...

Noch etwas Psychologisches als Linktipp: Mit richtiger Zielsetzung zum Erfolg