Donnerstag, 24. April 2008

Gewinn- und Kapitalbeteiligung von Mitarbeitern

Zu den wichtigen Möglichkeiten, Mitarbeiter zu hohen Leistungen zu motivieren, gehört neben einer angemessenen Gestaltung von Arbeitsaufgaben (Tätigkeits- und Entscheidungsspielraum, vielfältige Anforderungen), einer motivationsförderlichen Unternehmenskultur (Anerkennung selbständigen Handelns, Entwicklungsmöglichkeiten) sowie einer Vereinbarung von Zielen auch eine finanzielle Anerkennung von Leistung.

Allerdings stellt eine individuelle oder auch teambezogene leistungsabhängige Vergütung nicht immer eine angemessene Lösung dar, da erbrachte Leistungen oftmals von vielen Bedingungen abhängig und das Ergebnis der Arbeit unterschiedlichster Beschäftigter in einem Unternehmen sind. Auch wenn manche Unternehmen meinen, dass es nur auf verkaufte Produkte ankommt - auch die Arbeiter in der Produktion sind letztlich für das Unternehmensergebnis mitverantwortlich.

Eine Alternative besteht daher darin, sämtliche Mitarbeiter am Unternehmenserfolg zu beteiligen.

Diesbezüglich besteht in Deutschland noch erheblicher Nachholbedarf. Nach Berechnungen des IAB hatten Mitte 2005 lediglich neun Prozent der Betriebe ein System der Gewinnbeteiligung und nur bei zwei Prozent gab es ein System der Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter:

Gewinn- und Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter: Die Betriebe in Deutschland haben Nachholbedarf
(Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung)

Gewinnbeteiligung meint dabei eine erfolgsabhängige Zuwendung zusätzlich zu Lohn und Gehalt. Bei einer Kapitalbeteiligung werden die Beschäftigten zu Miteigentümern des Unternehmens und erwerben Belegschaftsaktien, GmbH-Anteile oder auch Genossenschaftsanteile. Die Mitarbeiter profitieren dabei vom steigenden Marktwert des Unternehmens, was allerdings auch abhängig ist vom aktuellen Klima an der Börse.

Der Anteil der Unternehmen mit Mitarbeiterbeteiligung ist bei größeren Unternehmen höher als bei kleineren. In den neuen Bundesländern ist der Anteil geringer als in den alten Bundesländern. Des weiteren gibt es erhebliche Branchenunterschiede. Besonders hoch ist der Anteil von Unternehmen mit Gewinnbeteiligung in Unternehmen der Kredit- und Versicherungsbranche (26 Prozent im Bundesdurchschnitt). Interessanterweise ist der Anteil von Unternehmen mit Mitarbeiterbeteiligung bei Unternehmen in ausländischem Besitz deutlich höher als bei Unternehmen unter rein deutscher Kontrolle (31 zu 9 Prozent).

Nun hat sich die große Koalition auf ein Konzept geeinigt, welches eine Erhöhung der Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland bewirken soll:

Firmengewinne: Was Arbeitnehmer vom Kuchen abbekommen sollen
(WELT ONLINE)

Steuerliche Anreize sollen dabei sowohl für das Modell der klassischen Belegschaftsaktie als auch für ein Modell gelten, bei dem das Kapital zunächst in einen Fonds fließt, dessen Vermögen wiederum in die angeschlossenen Unternehmen zurückfließt, was eine gewisse Streuung des Risikos ermöglicht.

Problematisch ist eine Mitarbeiterbeteiligung natürlich im Hinblick auf ein mögliches Risiko der Insolvenz.

Wobei eine Beteiligung am Unternehmensgewinn oder Unternehmenswert ohnehin nicht für alle Beschäftigten in Frage kommt. Man denke an solche Unternehmen und Organisationen, deren definitertes Ziel nicht die Erwirtschaftung von Gewinnen, sondern maximal kostendeckendes Arbeiten ist, speziell den Öffentlichen Dienst.

Ich möchte z.B. auch nicht unbedingt Beteiligungen an einer Landesbank angedreht bekommen.

Kommentare:

Irmgard hat gesagt…

Hallo Falk,

ich bin der Meinung, dass die Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter ein gutes Instrument ist. Neben der allgemeinen guten Behandlung der Mitarbeiter und dass man ihnen das Gefühl gibt, nicht nur eine Maschine zu sein, sondern ein Mensch. Einige Firmen machen es vor und sind auch erfolgreich damit.
Hier in Baden-Württemberg, dem Schwaben-Ländle gibt es viele Firmen, die ihre Mitarbeiter beteiligen in Form von Aktien und Mitbestimmung. Bosch hat viel für seine Mitarbeiter getan, wie mir mein Schatz erzählt hat. Leider weicht seine Stiftung nach dem Tod immer weiter auf. Man kann eben die Stiftungssatzung so oder so interpretieren. Und wenn Manager an dem Ruder sind, die keinen Bezug mehr zur Firma haben, geht es sowieso meistens den Bach runter.
Zahlenmäßig am größten an der Beschäftigungszahl ist eh der Mittelstand beteiligt, und da gibt es auch viele gute Beispiele. Leider steht in den Zeitungen meist nur das Schlechte.
Gut finde ich hier an den Stuttgarter Nachrichten, dass sie auch immer wieder gute Beispiele aus der Region bringen. Ich habe schon einiges Interessantes hierzu gelesen.
Auf jeden Fall bin ich sowohl stolz, eine Bayerin zu sein als auch hier in Baden-Württemberg wohnen zu können. Naja, in den anderen Bundesländern soll es ja auch ganz schön sein *fg*.

Liebe Grüße, draußen scheint grad die Sonne :-),
Irmgard

PsychoBlogger hat gesagt…

@ Irmgard:

Danke für Deinen Kommentar :-)

In den neuen Bundesländern ist es auch schön 8) ... z.B. in und um Dresden, in der Sächsischen Schweiz und an der Ostsee 8)

Oceanphoenix hat gesagt…

Hi Falk :)

hier kann ich mich (ebenfalls aus dem Schwobaländle *gg*) Irmgard nur anschließen. Und selbst habe ich auch das Glück, von solchen Beteiligungen profitieren zu dürfen (dank der Umwandlung in eine AG vor mehreren Jahren - also nicht ich, sondern meine Firma *g*)

Natürlich handelt es sich dabei immer um freiwillige Leistungen der Betriebe, die in ihrer Höhe variieren, und nicht eingefordert werden können - erfolgsabhängig eben, aber nichtsdestotrotz motivierend.

Desweiteren kann z. B. eine flexible Arbeitszeitgestaltung motivierend wirken. Ich denke, daß abhängig von der Persönlichkeit eines Mitarbeiters die Art der Motivation unterschiedlich anschlägt. Es soll ja sogar Leute geben, die unter Druck und Stress am besten "funktionieren" - was wiederum anderen eine negative Motivation bedeuten würde.

Dir liebe Grüße und positive Motivation :)))
Ocean