Dienstag, 27. September 2011

Verhalten sich Börsenprofis wie Psychopathen?

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Um die Antwort zu dieser Frage vorweg zu nehmen: Nein, sie verhalten sich nicht wie Psychopathen. Psychopathen verhalten sich nämlich kooperativer und sind zugleich auch erfolgreicher.

Zumindest ist dies das Ergebnis einer Studie der Universität St. Gallen:

Destruktive Dynamik im Handelsraum
(NZZ ONLINE)

In dieser Studie wurden 27 professionelle Trader, 24 kriminelle Psychopathen und 24 "normale Personen" im Hinblick auf ihr Verhalten in einem klassischen sozialpsychologischen Experiment verglichen.

Bei diesem Experiment - dem Gefangenen-Dilemma - stehen zwei Personen im Verdacht, gemeinsam einen Bankraub begangen zu haben. Dieser Bankraub kann jedoch ohne Geständnis nicht nachgewiesen werden. Nachweisbar ist allerdings, dass beide illegalerweise eine Waffe mit sich führten. Beide werden getrennt verhört und können sich über die Geschehnisse im Verhör nicht austauschen. Dabei erhalten beide folgendes Angebot seitens der Behörden: Wenn nur einer der beiden Komplizen gesteht, geht er straffrei aus, während der andere für 5 Jahre ins Gefängnis kommt. Gestehen beide, so kommen beide für 4 Jahre ins Gefängnis. Wenn keiner der beiden gesteht, erhalten beide nur 1 Jahr Gefängnis für illegalen Waffenbesitz.

Die Versuchsperson spielt einen dieser Komplizen und spielt dabei gegen einen echten oder auch virtuellen Gegner. Mann kann dabei analysieren, wie kooperativ bzw. rücksichtslos die beiden Versuchspersonen agieren, und welcher absolute und relative Gewinn dabei resultiert. Ein hoher relativer Gewinn liegt vor, wenn die Versuchsperson eine deutlich kürzere Haftstrafe bekommt als der Komplize. Ein hoher absoluter Gewinn (eine insgesamt möglichst kurze Haftstrafe) ist allerdings nur dann zu erzielen, wenn beide Partner kooperieren und nicht gestehen.

In dem Experiment mit den Börsentradern waren 30 Prozent der Spielzüge der professionellen Trader unkooperativ. Bei den Psychopathen waren es nur 11 Prozent, bei der Kontrollgruppe unauffälliger Personen nur ein halbes Prozent. Auch beim absoluten Gewinn schnitten die professionellen Trader schlechter ab als die Psychopathen.

Die Versuchsleiter hatten erwartet, dass sich die professionellen Trader zwar ähnlich rücksichtslos verhalten, dabei aber zumindest erfolgreicher sein würden als die (offiziellen) Psychopathen.

Die Aussagekraft der Ergebnisse ist natürlich im Hinblick auf die geringen Stichprobengrößen etwas eingeschränkt. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass es sich um einen abstrakten Laborversuch handelt. Der Erfolg in dieser Aufgabe sagt noch nichts über den Erfolg der untersuchten Trader in ihrer beruflichen Tätigkeit aus. Möglicherweise haben diese Makler bestimmte Strategien, die im Beruf funktionieren, auf die Laboraufgabe übertragen. Dabei ist festzustellen, dass im Börsenhandel Kooperation nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Es kommt darauf an, einsetzende Trends als solche zu erkennen, möglichst frühzeitig "auf den Zug aufzuspringen" und rechtzeitig "wieder abzuspringen". Den letzten beißen dabei die Hunde. Dabei kann es keine Win-Win-Situation geben: Was der eine gewinnt, ist immer ein Verlust für andere Marktteilnehmer.

Zum Thema Psychopathie: Was man im alltäglichen Sprachgebrauch als Psychopathie oder Soziopathie bezeichnet, trägt im wissenschaftlichen Sprachgebrauch die Bezeichnung antisoziale oder dissoziale Persönlichkeitsstörung. Personen mit dieser Störung sind äußerst impulsiv, missachten soziale Normen und Verpflichtungen und haben kein Empfinden für die Gefühle anderer Menschen. Solche Menschen neigen zu rücksichtslosem und aggressivem Verhalten und geraten häufig mit dem Gesetz in Konflikt. Sie sind dabei allerdings auch recht trickreich und vermögen es, mit einem oberflächlichen Charme andere Menschen um den Finger zu wickeln.

Allerdings führt diese Persönlichkeitsstörung nicht zwangsläufig zu einer kriminellen Karriere. Gerade intelligente "Psychopathen" bringen relativ gute Voraussetzungen mit, um in wettbewerbsorientierten Bereichen schnell an die Spitze zu gelangen. Man kann solche Menschen daher auch in Führungspositionen antreffen.

Weitere Informationen über Persönlichkeitsstörungen

Sonntag, 18. September 2011

Wenn nur Oberflächlichkeit zählt

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Für manche Unternehmen zählt vor allem die Fassade. Neudeutsch finden sich dafür auch die Begriffe Corporate Identity und Corporate Design.

Das geht dann mitunter soweit, dass nicht nur die Oberbekleidung genau vorgeschrieben wird, sondern sogar die Unterwäsche:

Schweizer Bank schreibt Mitarbeiterinnen
Farbe der Unterwäsche vor

(ZEIT ONLINE)

Vielleicht hätte sich diese Bank besser um inhaltliche Dinge wie etwa kompetentes und integres Verhalten ihrer Mitarbeiter kümmern sollen:

Schweizer Großbank UBS:
Händler verzockt zwei Milliarden Dollar

(SPIEGEL ONLINE)

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Etwas wirklich Schönes zum Anschauen: Poster von romantischen Herbstlaubmotiven