Donnerstag, 12. Januar 2012

Bei ING-DiBa dreht sich aktuell alles um eine Scheibe Wurst

Die Bank ING-Diba fährt seit einiger Zeit einen eigentlich harmlosen Werbe-Spot. Basketball-Star Dirk Nowitzki betritt darin eine Metzgerei/Fleischerei (in der er angeblich schon in seiner Kindheit eingekauft hat) und bekommt als zusätzliche Gabe eine Scheibe Wurst, Dirk Nowitzki in der Metzgerei - ING-DiBa Werbespot.


Eine wie ich finde frische, sympathische und durchaus passende Werbung, bei der mit Hilfe einer Analogie darauf hingewiesen werden soll, dass es bei dieser Bank (angeblich) mehr Zinsen gibt als bei anderen Kreditinstituten.

Ein harmloser Spot, könnte man meinen. Jedenfalls keine Schockwerbung, wie man sie z.B. von Benetton kennt.

Allerdings hat genau dieser Spot zu einer äußerst kontroversen Diskussion auf der Facebook-Seite der ING-DiBa geführt. Eine Diskussion, angezettelt von militanten Vegetarieren und Veganern, die die besagte Facebook-Seite mit einem Shitstorm von Einträgen überziehen.

Erstaunlicherweise reagiert die Bank als Betreiber der Facebook-Seite allerdings gar nicht oder kaum auf diese Diskussion, sondern lässt die Nutzer einfach gewähren. Wie der PR-Blogger Klaus Eck vermerkt, dauert dieser Shitstorm bereits drei Wochen an und die Bank hat bisher nur wenig getan, um auf diese Diskussion einzuwirken.

Wie wirkt dieses Verhalten (der Bank) auf mich?

Auf den ersten Blick erscheint es mir durchaus sympathisch, wie locker die Bank mit dem Shitstorm umgeht. Dieses Verhalten dürfte sich zunächst recht positiv auf das Image des Unternehmens als besonders tolerant aufwirken. Und Toleranz gehört aktuell zu den besonders gefragten Merkmalen und gesellschaftlichen Werten.

Ich persönlich würde auf solche Attacken sehr viel restriktiver reagieren und vermutlich damit auch gewisse Kundengruppen abschrecken. Allerdings ist eine Bank im Gegensatz zu einem Blogger und Freiberufler wie mir auch darauf angewiesen, eine möglichst große und breite Kundengruppe anzusprechen.

Als ein positiver Effekt ist auf jeden Fall festzuhalten, dass die Bank damit im Gespräch ist und kostenlos Aufmerksamkeit bekommt. Es wird in Blogs und anderen Medien darüber berichtet. Diese Aufmerksamkeit wäre vermutlich weg, wenn die kontroversen Beiträge sofort verschwinden würden (wie ich persönlich das handhaben würde). Oder aber es könnte erst recht zu Hass-Attacken auf das Unternehmen kommen, wenn es Stellung gegen die Angriffe der vegetarier bezieht.

Ohne diese Geschichte wäre ich z.B. auch nicht auf die besagte FB-Seite gelangt. Die Werbung ist mir zwar aus dem TV zwar bekannt, allerdings habe ich sie bisher nicht sonderlich beachtet und ich unterhalte selber auch keine Geschäftsbeziehung mit diesem Unternehmen.

Allerdings erscheint es mir letztlich dann doch problematisch, wenn die Bank fast gar nicht darauf reagiert und keinen Einfluss auf das Geschehen nimmt.

Psychologisch ist übrigens festzustellen, dass ein "unerwünschtes Verhalten" am ehesten dann verschwindet, wenn es keine Beachtung findet und in's Leere führt. Allerdings führen die Attacken der militanten Fleischhasser in dem Falle eben nicht in's Leere, sondern wird von Fleischbefürwortern mehr oder weniger drastisch beantwortet. Es ist daher nicht mit einem schnellen Abklingen der Diskussion zu rechnen, vor allem, wenn immer wieder neue Akteure hinzukommen. Der Shitstorm könnte sich somit noch über Wochen hinziehen.

Dabei fällt auf, dass man nicht einmal Fan der Facebook-Seite sein muss, um dort kommentieren oder andere Beiträge liken zu können! Besonders problematisch ist allerdings, dass es außer dieser Diskussion um fleischliche vs. fleischlose Ernährung auf der Pinnwand überhaupt keine Inhalte gibt. Man kann immer weiter nach unten scrollen und findet nur Beiträge, die sich mit dem Thema Ernährung beschäftigen.

Wo sind eigentlich die banktypischen Inhalte? Oder muss ich erwarten, dass bei den Vertriebspartnern (Filialen hat die Bank ja nicht) hauptsächlich auch über fleischhaltiges vs. vegetarisches Essen diskutiert wird

Die Bank sollte auf jeden Fall (mehr) eigene Inhalte bringen oder überhaupt eigene Inhalte bringen. Hierfür sollte es unbedingt ein professionelles Konzept geben, so dass regelmäßig relevante und aktuelle Inhalte dargeboten werden.

In meinem Psycho-Blog habe ich jetzt auch noch einen separaten Beitrag verfasst, der sich mit Facebook-Seiten und dem Umgang mit Kommentaren im allgemeinen beschäftigt: Wie sollten Unternehmen mit Kommentaren auf Facebook-Seiten umgehen?

...

Andere Beiträge zu diesem Thema:

Krisen-PR: Sprachlos und abwartend auf Facebook? Ing-DiBa
(PR Blogger Klaus Eck)

Darf sich die ING-DiBa erpressen lassen? (Franz Patzig)

ING-DiBa, Veganer und die Grenzen des Hausrechts auf Facebook-Fanseiten (Spreerecht; Schwenke & Dramburg Rechtsanwälte)

Breaking News - Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei
(Menze & Koch)

Und Malu Schäfer meint: "Die Erde isst eine Scheibe! Wurst!"

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Zum Thema Werbung und Marketing biete ich übrigens auch Beratung, Vorträge und mehr an:

Beratung, Vorträge, Seminare und Artikel zum Thema Werbung und Marketing

Kommentare:

Gucky hat gesagt…

"Psychologisch ist übrigens festzustellen, dass ein "unerwünschtes Verhalten" am ehesten dann verschwindet, wenn es keine Beachtung findet und in's Leere führt."

Genauso ist es. So behandelt man unerwünschte Diskussionen oder auch Trolle die den Blog heimsuchen.
Ich würde aber schon ein bißchen moderieren.
Allerdings nehme ich aber an, daß sich niemand wirklich um die Seite kümmert (wie du schreibst... fehlende banktyüische Nachrichten).

Vodia hat gesagt…

die spinnen, die ...
nein nicht alle, sondern nur die, die dort so danebenkommentieren. Wird man so verbiestert und intolerant, wenn man den Tieren ihr Futter wegf...?

PsychoBlogger hat gesagt…

Danke für eure Kommentare, Gucky und Vodia! :-)

Nun ja... Ich meine, dass eine nicht ganz ausgewogene Ernährung auch eine allgemeine Unausgeglichenheit zur Folge haben kann 8-)

Liebe Grüße
Falk