Dienstag, 13. März 2012

Wasser sparen - wo es sinnvoll ist und wo eher nicht

Derzeit (vom 12. bis 17. März 2012) findet in Marseille das 6. Weltwasserforum statt.

6th World Water Forum in Marseille

Sicherlich ein Anlass, um sich einmal Gedanken über den Umgang mit der Ressource Wasser zu machen. Man könnte dabei zunächst meinen, dass es generell sinnvoll ist, möglichst sparsam mit Wasser umzugehen. Aber gilt das für jede Situation und für jeden Ort auf der Welt? Ich bin dazu auf einen Artikel aus 2010 gestoßen, der das ein wenig in Frage stellt:

VERBRAUCHER: Schwacher Strahl
(SPIEGEL ONLINE)

Es ist demnach so, dass die Deutschen ihren Wasserverbrauch in den letzten Jahren bereits erheblich reduziert haben. Diese Reduktion hat jedoch auch zur Folge gehabt, dass die Kosten für die Sicherstellung der Qualität des Trinkwassers gestiegen sind. Die zu geringe Nachfrage hat demzufolge die Fließgeschwindigkeit in den Wasserrohren so weit reduziert, dass sich Ablagerungen und Keime bilden konnten, die durch zusätzliche Maßnahmen wieder beseitigt werden müssen.

Es ist offensichtlich, dass das Wasseraufkommen (Niederschläge, Grundwasser, Nähe zu großen Flüssen usw.) regional und auch jahreszeitlich sehr unterschiedlich ausfällt. Dabei ist zusätzlich festzustellen, dass Wasser im Gegensatz zu anderen Ressourcen wie Erdöl oder Erdgas nicht so ohne weiteres über lange Leitungen von mehreren 1000 Kilometern transportiert werden kann. Über solch lange Wege würden sich ohne weiteres Zutun Keime bilden und das Wasser hätte letztlich nicht mehr die geforderte Trinkwasserqualität. Und ein Transport in Kanistern via LKW oder Schiene wäre immens teuer.

Es ist daher wenig sinnvoll, in einer relativ regenreichen Region Wasser zu sparen, damit den Menschen in den Trockenzonen dieser Erde mehr Wasser zur Verfügung steht.

Sicherlich muss man schauen, ob z.B. in besonders trockenen Sommermonaten auch in Deutschland Wasser sparen angezeigt ist. Und natürlich ist sicherzustellen, dass verbrauchtes Wasser immer soweit aufbereitet wird, dass es in sauberer Form wieder in den natürlichen Kreislauf gelangt.

Und sicherlich kann es für einen einzelnen mit einem besonders hohen Wasserverbrauch sinnvoll sein, Wasser zu sparen, um die Nebenkostenrechnung ein wenig zu reduzieren. Allerdings ist das finanzielle Einsparpotenzial bei Energie und Treibstoff deutlich höher als bei Wasser!

Allerdings gibt es tatsächlich auch für den einzelnen hier in Deutschland sinnvolle Möglichkeiten des sparsamen Umgangs mit Wasser:

Die meisten Menschen greifen hierzulande auf Trinkwasser zurück, dass sie teuer in Flaschenform im Supermarkt kaufen. Im Discounter bekommt man dabei 1.5 Liter Mineralwasser in der preiswertesten Variante für 19 Cent. Je nach Marke ist dieses Mineralwasser über sehr lange Strecken mit dem LKW herantransportiert worden. Die Gewinnung und der Transport dieses Wassers sind enorm energieintensiv, was das Ganze zu einer ziemlich teuren Angelegenheit macht!

Dagegen wird das Wasser, das Basis für unser Leitungswasser ist, in der unmittelbaren Umgebung gewonnen und erfordert dabei wesentlich geringeren Aufwand und Kosten. Und das Leitungswasser hat zumindest in Deutschland eine hervorragende Qualität, so dass es bedenkenlos als Trinkwasser verwendet werden kann!

Dieses Leitungswasser kostet bei meinem Versorger 2.14 Euro (inkl. MWST) pro Kubikmeter. Ein Kubikmeter vom günstigsten Mineralwasser aus dem Discounter kostet dagegen 126.67 Euro! Mineralwasser ist somit mindestens 59mal so teuer wie Leitungswasser. Zudem muss man dieses Mineralwasser erst einmal selber vom Supermarkt nach Hause transportieren, was neben dem zeitlichen Aufwand ggf. auch zusätzliche Spritkosten verursacht.

Allerdings kann man als Verbraucher auch dafür sorgen, dass in regenarmen Gebieten sparsamer mit Wasser umgegangen wird. So erfordert beispielsweise der Anbau von Erdbeeren in Spanien, die man bereits im Frühjahr in Deutschland kaufen kann, eine intensive künstliche Bewässerung. Man kann kurz gesagt, sehr viel zur Reduktion von Transportkosten, Spritverbrauch und Wasserverbrauch in regenarmen Gebieten beitragen, indem man möglichst Obst und Gemüse aus der Region einkauft, so wie es jahreszeitlich bedingt verfügbar ist.

Und nicht zuletzt hat man es durchaus in der Hand, als Urlauber in südlichen Regionen den dortigen Wasserverbrauch zu beeinflussen. In nicht wenigen Urlaubsregionen wird Wasser in Trinkwasserqualität (!) extra herangeschafft, um nicht nur die Versorgung mit Getränken, sondern auch das Duschen und Baden oder das Planschen im hoteleigenen Swimmingpool sicherzustellen!

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Weitere Geldspartipps

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sorry, aber das kann man so nicht stehen lassen. Ich finde deinen Artikel gut geschrieben und habe Respekt vor der Auführlichkeit, mit der du das Thema behandelst. ABER:

"Es ist daher wenig sinnvoll, in einer relativ regenreichen Region Wasser zu sparen, damit den Menschen in den Trockenzonen dieser Erde mehr Wasser zur Verfügung steht."

Die Aussage ist fast gemeingefährlich. Hier 2 kurze Fakten:

- Deutschland ist weltweit der 3-größte Wasserimporteur (so viel zu deinem regenreichen Land)
- Das die Kanalisationen an einem inkorrektem Erwartungswert der Konzerne gegenüber dem Pro Kopf Wasserverbrauch ausgerichtet wurden, ist nicht die Schuld der Verbraucher.

Auch die Aussage, man könne mehr Energie als Wasser sparen ist so nicht ganz richtig. Bei der EInsparung an Wasser wird immer gleichzeitig Energie gespart, die zum Erwärmen desselbigen genutzt wird (fast 70%). Die Einsparmöglichkeiten sind beim Wasser insgesamt am höchsten!

Deinen Vergleich mit dem Wasserkasten finde ich allerdings gut. Zumal bei der Produktion/Reinigung der Flaschen Unmengen an Wasser verbraucht werden.

PsychoBlogger hat gesagt…

Danke für Deinen ausführlichen Kommentar und die darin enthaltenen Ergänzungen!

Mir ist allerdings neu, dass Deutschland derart viel Wasser importieren soll. Meinst Du den Import von Flaschenwasser (den ich in meinem Beitrag indirekt kritisiere)? Oder ist der Zufluss in Form großer Flüsse wie Elbe, Rhein usw. gemeint?

Armin hat gesagt…

Der mit den Flüssen war gut xD :)
Nein, Deutschland importiert Wasser für die Produktion seiner Exportgüter (Autos, Pharma, Elektronik zB). Hab gestern erstmal in der Runde die Rechnung zum Flaschenwasser zum Besten gegeben. Krass ist das. Ich glaub ich hol mir doch so ein sodastream..