Mittwoch, 1. Mai 2013

Stereotype und Vorurteile zu Aktien und Aktionären

Stereotype und Vorurteile - jeder hat sie mehr oder weniger. Auch und insbesondere Leute, die gern vorgeben, sich gegen Vorurteile und Diskriminierung zu engagieren. Und ich möchte auch mich selbst nicht davon ausnehmen.

Wir sind häufig nicht in der Lage oder nicht bereit, Mitglieder einer anderen Gruppe als Individuum zu sehen. Wir sehen dann DIE Frauen, DIE Männer, DIE Alten, DIE Jungen, DIE Angehörigen einer bestimmten ethnischen Gruppe... DIE HartzIV-Betroffenen... DIE Unternehmer, Arbeitgeber... Kapitalisten.

Stereotype, Vorurteile und daraus resultierende Diskriminierung gibt es vor allem, wenn man über die Angehörigen einer bestimmten Gruppe nur wenige Informationen und keinen intensiveren Kontakt mit Vertretern dieser Gruppe hat. Wichtig ist dabei, dass man nicht nur ein einzelnes, sondern mehrere Vertreter intensiv kennenlernt und dabei die Erfahrung macht, wie unterschiedlich die Mitglieder einer vermeintlich homogenen Gruppe sind.

Allerdings sind manche sogar stolz darauf, den Kontakt mit bestimmten Gruppen oder auch bestimmten Sachverhalten zu meiden. Vor 10 bis 15 Jahren waren es sogar Politiker, die stolz darauf waren, keine Ahnung von Computern zu haben und nicht damit umgehen zu können. (Nicht dass das heute nicht mehr der Fall wäre.)

Heute gilt es in gewissen Kreisen als schick, keine Ahnung von Aktien oder Finanzmärkten zu haben. Da kann es passieren, dass sich andere noch lustig darüber machen, wenn man etwas mehr Ahnung davon hat. Aktien gelten mindestens als hoch riskante Geldanlage, Aktionäre als unanständige Spekulanten und Zocker.

Aktiengesellschaften sind Unternehmen unterschiedlichster Größe, aus den unterschiedlichsten Branchen und unterschiedlichsten Geschäftsmodellen. Manche davon gehen mit ihren Mitarbeitern, der Gesellschaft und natürlichen Ressourcen recht anständig um, andere eher nicht. Manche kaufen Aktien für den kurzfristigen Gewinn (Daytrader, "Zocker"), manche als langfristige Anlage zur Altersvorsorge. Große Investmentgesellschaften halten Aktien für Kleinanleger mit Investmentfonds, andere kaufen Unternehmen auf, um Macht auszuüben und ein bestimmtes mehr oder weniger anständiges Geschäftsmodell durchzudrücken, Kosten zu drücken und dafür Mitarbeiter zu entlassen usw. Und es gibt auch noch die Belegschaftsaktien als Form der Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen und den Unternehmensgewinnen.

Allerdings sollten diejenigen, die zurecht bestimmte Verhältnisse und Entwicklungen im Bereich Wirtschaft und Finanzen kritisieren, sich auch hinreichend über diese Sachverhalte informieren. Leider tun das aber nur wenige. Sarah Wagenknecht von der LINKEN ist eine von diesen wenigen, die auch interessante Bücher darüber schreibt (aktuell: "Kapitalismus, was tun? Schriften zur Krise").

Und wer Aktien von vornherein als Geldanlage ausschließt, sollte mal einen Blick auf die Verzinsung auf dem Sparbuch und anderen festen Geldanlagen werfen und das dann mit der Inflationsrate vergleichen. Im Jahr 2012 betrug die Inflationsrate von Januar bis Dezember offiziell etwa 2.0 Prozent. Wenn die Inflation höher ist als die Verzinsung, macht es nur Sinn, sein Geld entweder so schnell wie möglich wieder auszugeben oder dort anzulegen, wo es (relativ sicher) eine etwas höhere Verzinsung ergibt. Im Hinblick auf das Thema private Altersvorsorge erscheint es mir dabei durchaus sinnvoll, etwas zu sparen und nicht gleich alles wieder auszugeben. Um Aktien (oder Aktienfonds) kommt man da m.E. nicht drumherum.

Aber für manche ist es wohl bereits unanständig, wenn man überhaupt Erspartes hat. Das kann ja nicht mit rechten Dingen vor sich gehen, wenn jemand Geld übrig hat. Es gibt so einige unanständige Sachen im Bereich Finanzen. Verantwortet von Unternehmen und Politikern. Um das kritisieren zu können, sollte man sich allerdings auch etwas intensiver mit der Materie beschäftigen.

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